Oracle
Die Open-Source Datenbank MySQL, aktuell im Besitz von SUN Microsystems, könnte für Oracle zum entscheidenden Stolperstein bei der Übernahme der Unix und Server-Spezialisten werden. Bedenken kommen dabei sowohl von Konkurrenten als auch von den ehemaligen Besitzern von MySQL sowie den Verantwortlichen der EU-Kommission. Auch wenn MySQL freie Software ist hat ein Fork dessen nicht automatisch die gleichen Chancen am Markt. Sowohl der Markenname MySQL als auch die Belegschaft der Entwickler, der Kundenstamm und die proprietären Erweiterungen verhindern einen gleichwertigen freien Ersatz. So wäre die populärste freie Datenbank die zudem auch noch zu den Konkurrenten der Oracle Lösung zählt auf einmal in dessen Besitz. Die einzig verbliebene Alternative wäre dann PostGreSQL. Diese Bedenken teilt auch die EU-Kommission weswegen man nun öffentlich die Übernahme von SUN durch Oracle in Frage gestellt hat. Obgleich Oracle bereits Zukunftspläne für die diversen Produkte von SUN präsentiert hat ist es fraglich, ob ein Verkauf von MySQL nicht die einzig tragbare Lösung sein wird. Fraglich ist dabei nur, welches Unternehmen als möglicher Käufer in Frage kommen würde oder ob es am Ende vielleicht eine Partnerschaft von Investoren sein wird.
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Nachdem die Aktionäre von SUN in einer Hauptversammlung der Übernahme durch Oracle zugestimmt haben fehlt nur noch die Genehmigung der US-Wettbewerbshüter, bis eine der bedeutendsten Übernahmen ihren Weg gehen kann. Das Ergebnis von nur 62 Prozent zeigt jedoch, dass sich lange nicht alle Aktionäre von der Idee angetan sind, dass sämtliche SUN Entwicklungen in Oracle aufgehen sollen. Bestätigt werden diese Zweifel unter anderem auch durch die noch recht jung Mitteilung von Oracle VirtualIron fallen zu lassen, was man erst im Mai diesen Jahres übernommen hatte.
Larry Ellison hat erneut zugeschlagen und sein Unternehmen Oracle mit einer erneut gewaltigen Übernahme erweitert. Einst als Datenbank Spezialist gestartet, hatte Oracle in den vergangenen Jahren Milliarden US-Dollar investiert, um im Bereich der Business Software mit dem deutschen Konzern SAP konkurieren zu können. Im Januar 2005 waren es 10,5 Milliarden US-Dollar für die feindliche Übernahme von PeopleSoft. Nur ein Jahr später wurden dann Siebel Systems für 5,85 Milliarden US-Dollar übernommen. In diesem Jahresrhythmus ging es dann weiter als man 2007 für 3,3 Milliarden US-Dollar Hyperion Solutions und 2008 dann BEA Systems für 8,5 Milliarden US-Dollar kaufte. Nun haben wir 2009 und Oracle schlägt erneut zu. SUN Microsystems soll für 7,4 Milliarden US-Dollar aus Oracle einen Komplett-Anbieter machen, der neben Business-Software und Datenbank nun auch Betriebssystem und Hardware aus einer Hand liefern kann. Mit diesen mehr als 35 Milliarden US-Dollar an Investitionen tritt Oracle in die Fußstapfen von IBM.
| Unternehmen | Jahresumsatz | Mitarbeiter | Portfolio |
| IBM | 103,60 Mrd. USD (2008) | 386,558 (2007) | Hardware, Computerkomponenten, Betriebssystem, Datenbank, Business Anwendungen und Dienstleistungen |
| Oracle | 22,40 Mrd. USD (2008) | 74.757 (2008) | Hardware, Computerkomponenten, Betriebssystem, Datenbank, Business Anwendungen und Dienstleistungen |
| SAP | 11,70 Mrd. EUR (2008) | 51.500 (2008) | Business Anwendungen und Dienstleistungen |
Im Gegensatz zu den früheren Übernahmen, wo es oft nur um Kundendaten oder eher im Unternehmensumfeld bekannte Software-Lösungen ging, hat Oracle durch SUN Microsystems mit Java nicht nur die Kernkomponente der meisten Enterprise Anwendungen erworben sondern auch solch populäre Produkte wie GlassFish, MySQL, NetBeans, Solaris/OpenSolaris, die SPARC Prozessor-Technologie, StarOffice/OpenOpffice.org und xVM/VirtualBox.
- GlassFish
- Der unter einer freien Lizenz stehende Java EE Server dürfte für Oracle kaum von Bedeutung sein und könnte als reines Community Projekt enden.
- Java
- Java ist und bleibt die Kerntechnologie zahlreicher Business-Anwendungen. Doch auch Java steht unter einen freien Lizenz. Oracle wird die Entwicklung von Java nicht nur beibehalten sondern stark ausbauen müssen.
- MySQL
- Auch wenn Oracle bereits über mehrere Datenbanken verfügt, decken diese dennoch nicht alle Einsatzbereiche des Marktes ab. Während die hauseigene Datenbank nur im oberen Enterprise Bereich zum Einsatz kommt kann man mit MySQL nun auch den einfachen Einsatz bei Webhostern und kleineren Unternehmen abdecken. Abzuwarten bleibtn, ob der Entwicklungstrend von MySQL Richtung Enterprise nun zurückgefahren wird. Da MySQL jedoch ebenfalls unter einer freien Lizenz steht und es mit Drizzle nicht nur einen sehr interessanten Fork sondern mit ProstGreSQL einen gereiften Konkurrenten gibt, ist Oracle gut beraten, wenn sie auch MySQL weiter pflegen und entwickeln.
- NetBeans
- Neben Eclipse ist NetBeans sicher eine der besten Entwicklungsumgebungen für ernsthafte Programmierer. Auf dieses mächtige Entwicklungswerkzeug zu verzichten macht keinen Sinn.
- Solaris/OpenSolaris
- Das UNIX-Betriebssystem ist die Basis unzähliger Enterprise-Server die höchsten Ansprüchen entsprechen müssen. So dient Solaris oft als Betriebssystem für Datenbankserver mit der Oracle DB. Hier kann Oracle nun ein Paket aus Betriebssystem und Software anbieten. Das Solaris vernachlässigt werden könnte, kann eigentlich ausgeschlossen werden.
- SPARC Prozessor
- Die SPARC (Scalable Processor ARChitecture) Mikroprozessor-Architektur gehört zu den leistungsfähigsten Prozessor-Architekturen und hebt sich in vielen Bereichen weit von der Performance bekannter x86 Lösungen wie von Intel oder AMD ab. Für größere Server mit hohem Leistungsbedarf ist der aktuelle UltraSPARC T2 die optimale Lösung. Der Prozessor rundet das Komplettpaket mit Solaris und Oracle DB nahezu perfekt ab.
- StarOffice/OpenOffice.org
- Auch wenn SUN Microsystems mit StarOffice keine Bäume ausgerissen hat, so ist OpenOffice.org mit Abstand die Office Komplett-Lösung neben Microsoft Office. Das unter der freien LGPL Lizenz stehende Office Paket wird aktuell mehrheitlich von SUN Microsystems Mitarbeitern entwickelt. Ob Oracle dieses eher kostenintensive Engagement uneingeschränkt fortführen wird ist fraglich. Bei all seinen Aktivitäten hat Larry Ellison immer klar gezeigt, dass es ihm um eine effektive Gewinnausbeute ging. Möglich ist, dass die OpenOffice.org Community und die unterstützenden Unternehmen mehr Arbeit der Entwicklung übernehmen werden müssen.
- xVM/VirtualBox
- Neben VMWare sicher die bekannteste und am besten entwickelte Desktop-Virtualisierung. Mit xVM bot SUN Microsystems darüber hinaus auch ein darauf aufbauendes Enterprise Produkt an. Da der Markt der Virtualisierung derzeit richtig aufblüht, könnte Oracle sich urplötzlich in die Riege der Virtualisierungsanbieter einreihen und so zu Cisco (Xen), Red Hat (KVM) und EMC (VMWare) in Konkurrenz treten. Auch hier handelt es sich um ein freies Projekt.
Die Übernahme bringt für zahlreiche Projekte und Firmen viele Fragen und wird sicher intensiv beobachtet werden. Für Oracle könnte die Übernahme der entscheidende Schritt gewesen sein, um mit all den Lösungen nun endlich das erhoffte organische Wachstum antreiben zu können, dass in den vergangenen Jahren kaum existent war.

